Unser Ort

Ortsbürgermeisterin Gitta Kunzi


Einwohner ca. 320

Entfernung nach Einbeck ca. 8,5 km



Einrichtungen

Ortsfeuerwehr

Kindergarten in Iber

Grundschule in Drüber

Grillplatz


Örtliche Vereine
Schützenverein Dörrigsen von 1930 e. V.
Turn- und Sportverein "Jahn" Dörrigsen


Über Dörrigsen

Abseits der großen Verkehrslinien der Eisenbahn und Bundesstraßen liegt 8 km südlich von Einbeck und ebensoweit nördlich von Moringen das Dorf Dörrigsen. Eng schmiegt es sich mit einem Teile seiner Feldmark an den sanft nach Nordosten abfallenden Hang der Sudlieth an. Dieser Sudlieth ist ein Vorberg der Ahlsburg.



In der ersten bekannten Urkunde von 1254 wird der Ort »Dorrigesen« genannt. 1329 heißt er "Doringessen". Die ersten geschichtlichen Personen aus Dörrigsen nennt uns Johann Letzner in seiner Dassel - Einbecker Chronik aus dem Jahre 1595. Er rechnet die "Junker von Dorringessen" zum niederen Adel, der nicht in eigenen Burgen, sondern in "festen Häusern" in den Dörfern oder als Burgmann in der Burg eines größeren Herrn lebte.



Aus dem Jahre 1449 wird uns berichtet, dass eine große Dürre im Lande herrschte, die eine große Teuerung zur Folge hatte. Brotkorn und Futter waren so knapp, dass man für einen Malter Roggen 8 Schillinge, für ein Fuder Heu 20 Schilling und einen Malter Hafer 6 Schillinge bezahlte. Da mussten die Leute, um sich des Hungers zu erwehren, Brotkorn aus Thüringen und aus den Städten Nordhausen und Mühlhausen auf Karren und Wagen, ja, selbst auf dem Nacken holen und froh sein, dass sie dort noch etwas bekommen konnten.



Dörrigsen muss im Siebenjährigen Krieg ganz besonders gelitten haben, denn in einer 1783, also bald nach diesem Kriege, gedruckten Karte der Landesaufnahme des Kurfürstentumes Hannover ist Dörrigsen mit nur 23 Feuerstellen angegeben. Das lässt sich nur so erklären, dass es in den langen Kriegsjahren eine ganze Anzahl von Feuerstellen verloren haben muss, sei es, dass die Häuser abgebrannt oder dass viele Familien sich den ewigen Bedrückungen durch die Flucht entzogen haben. Aber nach diesen Notzeiten hat sich der Ort doch schnell wieder aufgefüllt. Pastor Fromme gibt in seinem Kirchen- und Schulbericht von Ostern 1813 schon wieder für Dörrigsen 28 Reihe- und 11 Anbauerhäuser an; auch der Bestand des Kirchspiels an Menschen ist großen Schwankungen unterworfen gewesen.



Im Jahre 1756 wurden in unseren drei Dörfern 552 Einwohner gezählt, 1763 waren es noch 312, und 1813 war ihre Zahl auf 780 angestiegen. Über die damaligen Zustände in seinem Kirchspiel Iber, zu dem auch Dörrigsen gehört, schreibt Fromme 1813 unter anderem: "Die Gemeine besteht aus lauter Landleuten, da nur ein königlicher Förster hier wohnt. (Dörrigsen Haus 26, jetziger Besitzer August Witthuhn). Die 12 Meyerhöfner stehen sich gut, die 67 Köthner haben alle ihre Not, viele sind arm, so wie auch die 25 Anbauer. Die Inquilinien aber, deren es hier eine große Anzahl gibt, die wegen der großen Leichtigkeit, sich Brennholz zu sammeln, hierherziehen, sind alle bitterlich arm."



Die Bauern wurden von dem Landesherrn zu den verschiedensten Pflichten herangezogen. Unter anderem mussten sie 1838 und folgende Jahre für die Vogtei Rotenkirchen Steine zur Ausbesserung der Kommunalwege fahren. Als 1840 die Chaussee Salzderhelden - Hohnstedt - Northeim ausgebaut werden sollte, mussten neben den anderen Gemeinden die 14 Dörrigser Pferdehalter mit 30 Pferden 2 2/16 Faden zu 1024 Kubikfuss Steine vom Basaltdepot bei den Fuchsbäumen vor Northeim auf die Wegstrecke zwischen Salzderhelden und Hohnstedt bringen, wo andere Dorfgenossen das Zerschlagen und Aufbringen in 60 Handdiensttagen zu besorgen hatten.



Im Jahre 1846 wurde die Dörrigser Landwehr von der Landstraße bis vor das Dorf hergerichtet, aber noch nicht voll ausgebaut. Von den 180 Ruten wurden nur 20 chaussiert. Die dazu erforderlichen 3 8/16 Faden Kalksteine aus dem Behrensberge wurden so verteilt, dass auf die laufende Ruthe 10 Kasten entfielen und 24 Kasten für einen Kanal am Fuße der Landwehr übrigblieben. Fahren mussten natürlich wieder die Pferdebauern und jedes vierspännige Fuder mit 3 Kasten Material beladen. Die Handdienstpflichtigen hatten die Steine zu zerschlagen und aufzubringen, dazu 80 laufende Ruthen Hecken und 30 Weidenbäume auszuroden und den Rest des Weges zu planieren. Zum Abdichten des Kanals wurden 2 Sack Moos verbraucht. Zu all diesen Arbeiten waren wiederum 74 2/3 Gespanntage, 260 Handdiensttage und 23 Taler 6 Groschen Bargeld erforderlich gewesen.



Als Verpflegung bekamen diese meist jungen Treiber, wie Opa Froböse noch zu erzählen wusste, ein handgroßes Stück Speck und einen dicken "Runken" Brot. Einen Tag im Jahre waren die Dörrigser zur Reinigung des Hollenstedter Mühlengrabens verpflichtet. Es bestand ja immer noch für sie der Zwang, bei dieser Mühle das Korn mahlen zu lassen. Sie gingen aber viel lieber zur Stennebergsmühle oder nach Lutterbeck, weil sie dort besser bedient wurden. Deshalb scheuten sie sich auch nicht, nachts ihre "Pucken" auf der Schulter über den Berg zu tragen. Allerdings durften sie sich nicht dabei erwischen lassen. Damit sie nun nicht mit Fahrzeugen gleich größere Mengen durch den Wald schmuggeln konnten, hatte das Amt den Waldweg an der Moringer Grenze, die "Dörrigser Schluft", mit festen Baumstämmen zuschlagen lassen. Noch heute heißt diese Stelle am Wege zur Stennebergsmühle "Am Zuschlag".



Lästiger als alles andere war der Frondienst, den der Landmann auf der Domäne Rotenkirchen abzuleisten hatte, weil er im Gegensatz zu den nur gelegentlich beanspruchten Diensten für die Herrschaft, das Amt oder die Gemeinde ständig gefordert wurde. Zwei Tage in der Woche musste der Pflichtige für diesen Dienst zur Verfügung stehen. Jedes Dorf hatte einen bestimmten Teil der Rotenkirchener Feldmark zu bewirtschaften. Uns war die


"Dörrigser Breite", die noch heute so genannt wird, zugewiesen. Sie musste viermal gepflügt, dreimal geeggt, bestellt und abgeerntet werden. Auch das Heumachen, das Dreschen, Mist- und Holzfahren sowie vielerlei andere Arbeiten, die auf einem Hofe nötig sind, gehörten zu den Obliegenheiten des Dienstes.



Die übrigen Dienste, welche die Bauern sonst noch für die Herrschaft zu leisten gehabt hatten, waren für Dörrigsen schon früh in eine Geldleistung umgewandelt worden. Dabei wurde ein Spanntag im ordinären Herrendienst mit 7 Groschen 11 Pfennig, im Burgfestdienst, der ehemals bis zu 12 Tagen zur Instandhaltung der Amtsgebäude gefordert werden konnte, 5 Groschen 9 Pfennig gerechnet. Der Handdienst wurde mit 1 Groschen 2 Pfennig abgegolten. Auch die Krieger-, Jagd- und Arrestantenfuhren waren vor 1845 bereits nicht mehr in natura gefordert worden, vielmehr wurden die Kosten dafür in Geld von den Verpflichteten eingefordert. 1845 wurde für diesen Zweck für jedes Pferd der Betrag von 1 Groschen ¼ Pfennig gehoben.



Neben seinen Dienstleistungen hatte der Landmann aber allerlei Abgaben aufzubringen. Das Mittelalter kannte noch keine regelmäßigen Steuern an den Landesherrn. Wenn dieser nun Geld brauchte, was sehr häufig vorkam, musste er es sich jeweils von den Landständen bewilligen lassen. Er musste also immer darum bitten. Daher hießen solche Geldforderungen Beden. Diese haben sich bei uns als "Herbstbede" bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts erhalten.



Eine erhebliche Belastung für den ländlichen Grundbesitz bildete auch der Zehnte, der ursprünglich für die Kirche bestimmt war. Ihm unterlag alles Land, über welches der Pflug ging, mit Ausnahme der Kirchenländereien, welche natürlich zehntfrei blieben. In den Besitz dieser Berechtigungen waren die Kirchen und Klöster schon sehr früh gekommen durch Schenkungen seitens vieler Fürsten und Adeligen sowie mancher anderen Grundbesitzer, die sich dadurch die ewige Seligkeit zu erwerben hofften. Grundsätzlich musste der Zehnte in Naturalien geliefert werden. Aber im Gegensatz zum Zinskorn brauchte der Pflichtige das Zehntkorn nicht zum Sammelplatz zu bringen, sondern der Gläubiger musste es abholen.



Das konnte jedoch für den Bauern recht lästig werden, denn er durfte nicht eher einfahren, als bis der Zehntsammler die Haufen ausgewählt hatte, die er beanspruchte. Bei drohendem Regen war das sehr hinderlich. Deshalb brauchte man auch nach dem Ansagen nur eine gewisse Zeit zu warten und konnte dann selbst bestimmen und einfahren, falls noch Zeit dazu war. Hatte der Zehntsammler seinen Anteil festgestellt, ließ er ihn sofort aufladen und nach der heute noch auf Dr. Hesses Hof in Buensen vorhandenen Zehntscheune bringen.



Seit 1800 wurden in Dörrigsen die Schulkinder unterrichtet, 1865 baute man ein Schulgebäude, 1899 wurde die Spar- und Darlehenskasse gegründet und 1905 eine Trinkwasserleitung angelegt.



Nicht lange dauerte es, da fand sich ein neues Projekt, das gelöst werden wollte. Schon die ersten Bewohner unserer Heimat bauten ihre Siedlungen gern dort auf, wo gutes Wasser in der Nähe war. So ist es denn kein Wunder, dass auch die Gründer des heutigen Dorfes Dörrigsen sich rechts und links der Rebbe, deren Quellzuflüsse am Nordosthang des Sackberges ihren Ursprung haben, ansiedelten.



H. Grimme